Musikspiele waren der große Hype der letzten Jahre. Spätestens seit sich sogar South Park mit Guitar Hero beschäftigte, waren sie im Mainstream angekommen und zogen immer mehr Nachfolger mit sich, die allerdings allesamt in ihren Grundfesten dem Rock als vorherrschender Musikrichtung treu blieben. Gitarren, Drums und Gesang, mehr gab es da bislang nicht zu bestaunen. Nun, da die Flut an Releases kurz etwas abnimmt, bringt Activision einen etwas anderen Ansatz zum Thema Musikspiel. DJ Hero spricht eher die HipHop oder House Fans unter den Gamern an, da sich dieser Titel das DJing als zentrales Thema ausgesucht hat und es dazu auch einen Turntable-Controller gibt. Ob ein anderer Controller und eine andere Musikrichtung allerdings genug sind um ein ansonsten immer gleiches Konzept aufzulockern und eine andere Perspektive zu liefern haben wir für euch untersucht.
Inhaltsverzeichnis |
Details über DJ Hero |
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für folgende Konsolen erhältlich: |
Gameplay
Auf den ersten Blick stellt sich das Gameplay von DJ Hero sehr ähnlich dar, wie das der Brüder im Geiste, Guitar Hero und Rockband. Man hat eine sich bewegende Strecke vor sich, die allerdings aus drei Spuren im Gegensatz zu fünf bzw. vier Spuren besteht, auf der zur richtigen Zeit diverse unterschiedlich gefärbte Marker pünktlich bei Ankunft in der Trefferzone mit Hilfe des Turntable-Controllers gedrückt werden müssen. So weit so Standard. Von hier an fängt DJ Hero aber an seine eigene Identität zu entwickeln. Neben dem pünktlichen Drücken der Tasten müsen ebendiese teilweise festgehalten werden, während man den Plattenteller des Controllers nach vorn und nach hinten bewegt und somit „scratcht“. Dies kann entweder ganz klassisch nach vorne und nach hinten gemacht werden, in höheren Schwierigkeitsgraden erwartet das Spiel dann aber auch genaue „Scratches“ in bestimmte Richtungen.
Das komplexeste Feature an DJ Hero ist aber definitiv die Einbindung des Crossfaders. Dieser Crossfader ist ein Schieberegler mit drei möglichen Positionen: Links, Mitte und Rechts. Je nachdem, wie sich die drei Spuren jetzt verhalten muss analog auch der Crossfader bedient werden. Bricht die linke Spur nach links aus, muss der Fader auch nach links. Bricht die rechte Spur nach rechts aus, muss eben auch der Fader nach rechts. Treffen sich die Spuren wieder in der Mitte muss auch der Fader in die Mitte. Die Kombination aus Tastendrücken, Scratches und Faden sorgen zumindest bei den ersten paar Runden schon für Irritationen. Bis man seine Hand-Auge-Koordination auf dieses völlig neue Konzept eingestellt hat wird man den einen oder anderen Mix ganz schön verhunzen und es wird viel Stille herrschen. Ist man aber über den Berg und beginnt die Technik ins Blut überzugehen, ist gerade dieses Spielprinzip sehr belohnend. Man entwickelt tatsächlich ein Gefühl für die Einsätze der einzelnen Tracks und versteht die Anatomie hinter den Mixes. Mit der Tiefe die DJ Hero vermittelt kann ein Guitar Hero nur schwer mithalten.
Zusätzlich zu den bisher genannten Komponenten gibt es auch bei DJ Hero ein Star-Power-Äquivalent, das Euphorie genannt wird und den Punkte-Multiplikator kurzzeitig verdoppelt. Zusätzlicher positiver Aspekt der Euphorie ist die zeitweise Übernahme des Crossfaders durch den Computer, so dass der Spieler sich kurz ausruhen kann. Aber auch bei den Belohnungen gibt es eine DJ-typische Neuerung für das Genre, den sogenannten Rewind. Man bekommt die Chance für einen Rewind durch zeitweises perfektes Spielen und bedeutet, dass, durch zurückdrehen des Plattentellers, eine kurze Passage mit doppelter Punktzahl noch einmal zu spielen. Es gibt kaum ein Gefühl, das belohnender ist, als eine zuvor perfekt gemeisterte Passage noch einmal zu spielen und das Publikum ausrasten zu lassen. Zu diesen Zeitpunkten kommt echtes DJ-Feeling rüber, vor allem auch, weil der Controller den erwartungen mehr als standhält. Der Plattenteller ist schwer genug um ordentliches Feedback zu geben und der Fader lässt den Spieler immer genau wissen, wenn man eine der drei Positionen erreicht hat. Da sich der Controller auf Wunsch und nach kurzem Umstrecken der mixer-Einheit auch vollkommen problemlos von Linkshändern bedienen lässt gibt es an der hardware überhaupt nichts zu mäkeln.
Präsentation
Dieses DJ-Feeling zerstört sich DJ Hero leider teilweise selbst, da es grafisch nicht viel mehr als Standardkost bietet. Die DJs sind zwar mit viel Liebe modelliert und auch ganz nett animiert, auch die Bühnen auf denen ihr die Massen zum kochen bringen sollt sind recht phantasievoll gestaltet. Negativ fällt allerdings auf, dass die DJs teilweise leider selbst zu eher düsteren und langsameren Liedern herum hüpfen, als hätte man ihnen was in den Drink getan. Außerdem können selbst die schnellen Schnitte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Publikum nicht mehr als eine nicht texturierte und schlecht geklonte wabernde Masse ist. Das ist besonders ärgerlich, da die Bühneneffekte und die Gogos eigentlich eine sehr coole Partystimmung aufkommen lassen, die dann leider bei jedem Schwenk in die graue anonyme Masse zerstört wird. Das alles ist für den Spieler selbst natürlich eh nicht viel mehr als schmückendes Beiwerk, aber wenn man sich überlegt, dass es auch einen sogenannten Partymodus gibt, bei dem man eigentlich nur den Mixen lauschen und sich an der Präsentation erfreuen soll, ist es eigentlich unverständlich, warum man sich damit so wenig Mühe gegeben hat. Auch das Menü hätte vielleicht ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Zwar soll sich die Präsentation wahrscheinlich am durch diverse Apple bekannt gewordenen Coverflow orientieren und die Illustrationen für die einzelnen Setlists sind auch sehr schön geraten, insgesamt wirkt es aber etwas unübersichtlich und ein wenig billig.
Der zentrale Punkt in der Bewertung der Präsentation eines Musikspiels muss aber zwangsläufig der Sound sein und der ist gelinde gesagt phänomenal. Die schiere Masse von 93 Mixen ist an sich schon sehr beeindruckend und dies verstärkt sich nur noch dadurch, dass nahezu alle diese Mixe von unglaublicher Qualität sind. Man muss sich bewusst machen, dass, im Gegensatz zu Titeln wie Guitar Hero oder Rockband, wo den beinhalteten Titeln einfach nur die Gameplay-Elemente zugeordnet werden müssen, bei DJ Hero die Mixe allesamt für das Spiel aufgenommen wurden. Wenn dann auch noch durchgängig eine derartige Qualität gehalten wird, dann ist das schon ganz großes Kino. Ein Minuspunkt auf der Soundseite sind die teilweise schon recht unpassenden Samples die auf entsprechenden Feldern während der Mixe eingespielt werden können. Dort hätten eine etwas größere Auswahl und ein bisschen weniger Flavor Flav dem Spiel gut getan. Auch die Synchronisation des Tutorials wirkt doch arg aufgesetzt.
Mehrspieler
Das Thema Multiplayer bei DJ Hero ist ein schwieriges. Man kann mit zwei Turntables lokal gegeneinander spielen, dabei stellt sich allerdings das Problem, dass man halt auch zwei Turntables braucht. Momentan lässt sich allerdings kein zweiter Controller als Zubehör kaufen, also muss man entweder ein komplettes zweites Paket kaufen, hat dann aber ein Spiel über oder man kann nur mit anderen zusammen spielen, die das Spiel auch für die gleiche Konsole besitzen, da die einzelnen Versionen untereinander natürlich nicht kompatibel sind. Für den lokalen Multiplayer gibt es ansonsten nur noch die Möglichkeit, die wenigen Mixe zu spielen, die auch mit dem Gitarren-Controller kompatibel sind. Das ist natürlich eine sehr eingeschränkte Auswahl und zusätzlich ist der Schwierigkeitsgrad der Gitarrentracks um einiges höher als bei Guitar Hero oder Rockband. Zusätzlich ist es halt nun einmal relativ witzlos ein Spiel über DJing mit einer Gitarre zu spielen.
Als einzige realistische Möglichkeit bleibt also das Online-Spiel, das auch vollkommen zufriedenstellend funktioniert, allerdings durch den fehlenden Konkurrenten im Raum eher wenig atmosphärisch ist. Um es auf den Punkt zu bringen: DJ Hero ist definitiv kein Partyspiel, allerhöchstens in der Ausprägung, dass sich einer als DJ betätigt und der Rest halt mitfeiert. Und dann fühlt man sich auch noch umso mehr wie ein echter DJ.
Fazit
DJ Hero ist ein besonderes Spiel. Es ist keine Milchkuh um den Markt an Musikspielen einfach nur mit einer neuen Musikrichtung noch weiter zu melken. Es geht an vielen Stellen, wie zum Beispiel dem Gameplay oder der Ausrichtung auf den Singleplayer-Modus, definitiv andere Wege als die große Flut aus Guitar Hero oder Rockband. Dieser Weg hat allerdings auch seine Schattenseiten, wie die geringere Langzeitmotivation durch den eher unterdurchschnittlichen Multiplayer-Modus oder das doch recht aufwendige Einarbeiten in das Gameplay. Im Endeffekt kommt es darauf an, ob man Lust auf etwas anderes als Rockmusik hat und dabei noch eine Singleplayer-Herausforderung sucht. Sollte dies der Fall sein, kann man sehr viel Spaß mit DJ Hero haben.
Pro’s
- abwechslungsreiche DJ-Action
- stimmiges Gesamtkonzept
- genug Spieltiefe
- tolle, umfangreiche Tracklist
- hochwertiger Controller
Contra’s
- Multiplayer nur eingeschränkt möglich
- Klon-Publikum
- Preis schreckt ab
Gameplay:
Endlich mal etwas anderes auf dem Musikspiel-Markt und nach etwas Einarbeitung versinkt man ins DJ-Feeling.
Grafik:
Nett Modellierte und animierte DJs, coole Bühnen aber leider hört es da auch auf.
Sound:
Großartige und recht umfangreiche Tracklist mit allem, was das Dance/HipHop-Herz begehrt.
87%
Gesamtwertung


