Während die Spiel- und Filmindustrie sich gegenseitig mit “Ideen” und Vorlagen für Neuproduktionen versorgen, hält die Literatur recht selten eine Bindung zur “neuen” Medienwelt aufrecht, zeitweilige Ausnahmen wie Romane zu mehr oder weniger aufwendigen Spielen, bleiben daher eher schnödes Beiwerk. Doch mit Dante’s Inferno bedient sich die Spielbranche merkwürdigerweise mal direkt an einen der etwas “grenzwertigeren” Schreibwerke: Dante Alighieris „Göttliche Komödie“.
Ob sich die Spielumsetzung auf den heimischen Konsolen behaupten kann, haben wir für euch getestet.
Inhaltsverzeichnis
Story
In Dante’s Inferno schlüpft Ihr in die Rolle des Kreuzritter’s Dante, welcher im Dienste “Gottes” so ziemlich jede Sünde begannen hat und so ist es nicht verwunderlich, das nach Dante’s Ableben der Tod persönlich sich seiner Seele bedienen will, doch wäre dies nicht schon schlimm genug, möchte dieser auch die Seele seiner holden geliebten Beatrice sein eigen nennen. Dies lässt sich Dante natürlich nicht bieten und startet so seinen ganz eigenen Kreuzzug gegen das Fegefeuer, um so sein geliebtes Weib der Hölle zu entreißen. Doch je Tiefer Dante in die Hölle vordringt, desto bewusster wird Ihm, wieso er sich nun da befindet, wo er gerade ist …
Die Geschichte von Dante’s Inferno ist vielleicht nicht unbedingt die außergewöhnlichste, allerdings bietet sie jede menge Wendungen und unvorhersehbare Ereignisse, welche mit packenden Zwischensequenzen und herben Erzählungen den Spieler schneller als gewünscht in den Bann ziehen können. Wie die Geschichte um Dante und Beatrice jedoch ausgeht, solltet Ihr am besten selbst herausfinden, unserer Meinung nach lohnt es sich allemal.
Gameplay
Spieltechnisch orientier sich Dante’s Inferno klar am grieschischen Halbgott Kratos, allerdings ist dies nicht als Contra zu sehen. Denn sowohl die Steuerung als auch das eigentliche Gameplay spielen sich flüssig und ungezwungen. So besitzt Dante neben einem leichten und schweren Angriff sein heiliges Kreuz, mit dem er den gegnerischen Dämonen auch auf Distanz gefährlich werden kann. Doch als ob das nicht genug wäre, wird Dante neben seiner Fähigkeiten voller brutalen Finishing Moves auch mit diversen Zauber ausgerüstet.
Und so heizt Ihr allerlei kontroversem Ungeziffer selbst in der Hölle noch ordentlich mit geschickten Kombo’s ein, welche wiederrum durch einen recht umfangreichen “Techtree” sowohl verstärkt, als auch erweitert werden können. Um die verschiedenen Kombo’s freizuschalten, benötigt Ihr natürlich Seelen, doch selbst da macht Dante’s Inferno noch einen Unterschied. Denn während Ihr bei alt bekannten Spielen meistens nur eine Währung besitzt, unterscheidet Dante zwischen Bestrafungen und Erlösungen, welche je nach vollendetem Finisher euren “guten” oder “bösen” Techtree stärken. Wem das noch nicht genug ist, der kann sich auf den Weg durch die Hölle auch noch bis zu 33 Reliquen einverleiben, welche überall im feurigen Jenseits verstreut und versteckt sind.
Spieltechnisch zahlt sich das zwar positiv aus, allerdings kann die breite Masse an Kombo’s und neuen Fertigkeiten auch ganz schön “erdrückend” wirken und so passiert es schnell, das aus cleveren Kombo’s eher einseitige Aktionen oder einfaches Buttonmashing wird. Auch die gestellten Herausforderungen, wirken auf den zweiten Blick nicht so innovativ wie gedacht. Zwar bietet Dante’s Inferno auch 2-3 richtig knackige Rätsel, meistens jedoch geht es darum, möglichst schnell eine Wand zu erklimmen oder gekonnt von Plattform zu Plattform zu hüpfen. Leider wird man gerade dabei feststellen, das genau diese Sprungabschnitte eher frustrierend sind, als vom üblichen Haudrauf abzulenken.
Denn viele Passagen sind recht knapp getimed und gelingen erst beim xten Versuch. Das gilt auch für einige Kampfpassagen, während man teilweise von einer Heilung zur nächsten kommt, ohne nur einen Kratzer verpasst zu kriegen, passiert es anderweitig das man mit einem Spucker voll Lebensenergie immer wieder in einen neuen Abschnitt kommt, ohne einen Hauch von Energie. Aber auch hier haben die Entwickler versucht Abhilfe zu schaffen und so lässt sich der Schwierigkeitsgrad auch im späteren Spielabschnitt noch verstellen, wenn man wieder und wieder an einem Abschnitt hängen bleibt. Auch eine Aufladung eurer Energie kommt beim wiederholt sterben eures Helden in Betracht, allerdings muss man dafür schon recht oft ins Gras gebissen haben. Nichts desto trotz, kann man Dante’s Inferno wohl eher als fordernd, anstatt als “verbitternd” bezeichnen und die Tatsache das man Monster so groß wie Wolkenkratzer bezwingen und reiten kann, macht vieles wieder gut.
Denn so happig einige Passagen auch sind, so spaßig können andere sein. Wenn man an lebenden Wänden rumklettert und sich die riesigen abwechslungsreichen Endgegner zur Brust nimmt, wird man förmlich mit Dante mitgezogen und verspürrt den Drang tiefer und tiefer in die Hölle einzudringen. Wer also God of War 3 mag oder eine Alternative auf der Xbox360 sucht, wird mit den imposanten Gegnern und dem tollen Leveldesign sicherlich seine Freude haben. Streng gläubige Menschen und Kinder sollten jedoch eventuell die Finger von dem Titel lassen, da die teilweise recht herben Gegner und Szenen wohl eher als sündig zu bezeichnen sind.
Präsentation
Wer denkt, bei Dante’s Inferno handelt es sich nur um einen zweitklassigen Abklatsch von God of War 3, der wird optisch sicherlich vom Gegenteil überzeugt. Auch wenn die Thematik mehr oder weniger Vergleichbar ist und es sich sowohl spieltechnisch als auch rein visuell paralelen ziehen lassen, zieht Dante’s Inferno sämtliche Register. So zeigt Dante’s Inferno nicht wie eventuell erwartet die ständig auftauchenden 0815 Dämonen, sondern eher reichlich verstümmelte, verbrannte oder auch halbnackte Wesen des Grauens, welche teilweise nicht nur fesselnd sondern auch abstoßend schön sind. Neben dem wirklich schön schrecklichen Kreaturen Design und dem klasse Lichtsetting können auch die abwechslungsreichen und vor allem gigantischen Level Punkten. Auch in Punkto Animation und Zwischensequenzen kann man EA hier keine schlamperei vorwerfen und so präsentiert sich Dante’s Inferno technisch von einer starken Seite.
Klar wer mit dem Thema Hölle, Rittertum und dem restlichen Schnörkel nichts anfangen kann, wird auch an Dante’s Grafikpracht kein gefallen finden… trotzdem ist die Hölle unerwartet abwechslungsreich und spannend inszeniert. Natürlich schafft ein schönes Setting und die glitzernde Verpackung noch kein fesselndes Setting, aber in Verbindung mit hervorragenden Soundeffekten und klangvoller Orchestermusik, kommt man im Laufe des Spiels der Hölle Stück für Stück in seinem Wohnzimmer näher.
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